Die Faszination der Ignoranz

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Das wirklich Schlimme am gesellschaftlichen Status quo weltweit ist die Einverleibung auch der schlimmsten Verbrechen in einen scheinkulturellen Kontext, der es jedem Beobachter erlaubt zu sagen: Ach ja, war da nicht irgendetwas?

Das signalisiert vor allem den festen Willen, das alles als Normalität abzutun mit der Folge des Gefühls, man könne gegen diese Normalität nichts weiter ausrichten, als ab und an zu protestieren, indem man der Gegenwart eine bessere Zukunft wünscht. Solange, wie es andere auch tun. Selbstverständlich im Rahmen derselben öffentlichen Ordnung und Sicherheit, welche Ursache oder Nährboden für diese Verbrechen ist.

Funktioniert das Wegschauen nicht so ganz, wird entweder der Blick auf das Andere gerichtet oder solange relativiert, bis der Wahnsinn wieder als normal erscheint: Wenn die Untat kommt, wie der Regen fällt, dann ruft niemand mehr halt. (Brecht)

Schlimmer noch: Die Entmenschlichung des Nationalsozialismus hat – ausgerechnet in Deutschland – die Messlatte für nachfolgende Verbrechen so hoch gelegt, dass heute jeder aufrechte Verbrecher im Namen des Staates darunter hindurchgehen kann, ohne dass es jemanden auffallen will – solange es sich um unsere Verbrecher handelt.

»Als wir zum ersten Mal berichteten, daß unsere Freunde geschlachtet wurden, gab es einen Schrei des Entsetzens und viele Hilfe. Da waren hundert geschlachtet. Aber als tausend geschlachtet waren und des Schlachtens kein Ende war, breitete sich Schweigen aus, und es gab nur mehr wenig Hilfe.« Bertolt Brecht

Es wurde bereits alles gesagt und nichts wurde geändert.