Karl-Bräuer-Preis des Bundes der Steuerzahler, sein Namensgeber war NSDAP-Mitglied und SS-Untersturmführer sowie Schulungsleiter für Rasse- und Siedlungsfragen.

Letzte Aktualisierung:

Der Bund der Steuerzahler wurde 1949 von dem NSDAP-Mitglied und SS – Untersturmführer Karl Bräuer (1881-1964) gegündet. Bräuer gilt dem Bund der Steuerzahler noch heute als Person, deren Andenken wach zu halten ist: Das kleine, 1965 gegründete finanzwissenschaftliche Institut des Steuerzahlerbunds trägt seinen Namen. Seit 1957 vergibt der Bund der Steuerzahler alle drei Jahre den mit 10.000 Euro dotierten Karl-Bräuer-Preis, und zwar  für publizistische und wissenschaftliche Arbeiten, „die sich in sachlich einwandfreier und eindrucksvoller Weise mit der Finanzwirtschaft der öffentlichen Hand befasst haben.“

Karl Bräuer übernahm 1935 einen Lehrstuhl an der Universität Leipzig, den vorher Bruno Molls inne hatte, und den dieser aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1934 hatte räumen müssen. Ein weiterer Karriereschritt war Bräuers Wahl zum Präsidenten der Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft im Jahr 1936. Die Wirtschaftswissenschaftliche Gesellschaft war die von den Nazis gegründete Standesorganisation für Wirtschaftswissenschaftler. Im Zuge der Entnazifizierung wurde Bräuer 1946 – als NSDAP-Mitglied, Untersturmführer der SS und Schulungsleiter für Rasse- und Siedlungsfragen – emeritiert und aus allen Ämtern entlassen.

Mit dem „Karl-Bräuer-Preis“ wurden seit 1957 folgende Personen ausgezeichnet:

Im Rahmen der Preisträgerrecherche fand sich bei Wikipedia u. a. folgender aktueller Eintrag

Die Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft vergibt seit dem Jahr 2002 den nach Eschenburg benannten Theodor-Eschenburg-Preis. Auf dem DVPW-Kongress im September 2012 wurde angesichts von Archivfunden Rainer Eisfelds, die Eschenburgs Verstrickung in das NS-Regime aufzeigen,  diskutiert, ob der Preis umbenannt werden sollte. Die DVPW gab dazu ein Gutachten in Auftrag, das für eine Umbenennung des Preises plädiert. Der Preisträger 2012, Claus Offe, sprach sich in seiner Dankesrede ebenfalls für eine Umbenennung aus. Als Gründe nannte er neben den genannten Verstrickungen die institutionenfreundliche, unkritische Haltung Eschenburgs gegenüber den Entwicklungen in Westdeutschland nach 1945 (als wenig vorbildhaft für das Fach), sowie dessen Unvermögen, auch im Abstand von mehreren Jahrzehnten ansatzweise so etwas wie Selbstkritik zu seiner Rolle im „Dritten Reich“ aufzubringen (beispielsweise in seinen Memoiren).

Bisher ist nicht bekannt, dass der Bund der Steuerzahler ähnliches in Erwägung zieht.

Augenblicklich wird der Bund der Steuerzahler unter Hinweis auf die Expertise der Grundrechtepartei zu der Frage

„Kann ein Finanzbeamter sicher sein, dass er für eine von ihm im Amt zu Gunsten der Bundesrepublik Deutschland begangene Straftat nicht bestraft wird?“

angefragt, welche Position er zu der Tatsache einnimmt, dass Finanzbeamte, die zugunsten des Staates (öffentliche Kasse) Steuern, Gebühren oder Abgaben überheben, gemäß § 353 Abs. 1 StGB straflos gestellt sind trotz Bonner Grundgesetz als ranghöchste Rechtsnorm und der damit unverbrüchlich einhergehenden Bindung der Drei Gewalten an die unverletzlichen Grundrechte als unmittelbar geltendes Recht. Auffällig ist denn auch, dass sich der Bund der Steuerzahler immer wieder lautstark gegen Steuerverschwendung ausspricht, die Mittel und Wege der Steuererhebung und Beitreibung scheinen dagegen wenig bis gar nicht zu interessieren.

Wer mehr über den Verbleib von immerhin 7,5 Millionen Mitgliedern der NSDAP, der SA und SS des NS-Terrorregimes nach dem Inkrafttreten des Bonner Grundgesetzes am 23.05.1949 wissen will, der sollte das Buch „Die kalte Amnestie, NS-Täter in der Bundesrepublik“ von Jörg Friedrich lesen. Ebenso wird das Buch „Hitlers Volksstaat“ von Götz Aly empfohlen. Um die Wirkweise des NS-Terrorregimes zwischen dem 05.03.1933 und 08.05.1945 zu begreifen, kommt man nicht am Buch „Der Doppelstaat“ von Ernst Fraenkel vorbei.