Persönliche Erklärung des Bundessprechers der Grundrechtepartei Ingmar Vetter zu den Umständen seiner Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung als inoffizieller Mitarbeiter gegenüber der Bezirksverwaltung Erfurt des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1984

Letzte Aktualisierung:

Veröffentlicht durch die Grundrechtepartei am 06 Juni 2017.

Auf den Beschluss des Bundesvorstandes vom 6. Juni 2017 zur Aufforderung zur als Versicherung an Eides statt geeigneten schriftlichen öffentlichen Stellungnahme zu:

Art und Weise und Umfang meiner Anwerbung und Mitarbeit als inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik;

zu Händen des Bundesvorstandes der Grundrechtepartei zum Zwecke der Veröffentlichung auf deren Internetseiten bis zum 11. Juni 2017 erkläre ich, Ingmar Vetter, in meiner Eigenschaft als Bundessprecher der Grundrechtepartei, hiermit nach bestem Wissen und Gewissen folgendes:

Im Sommer 1984 wurde ich von zwei sich als Mitarbeiter der Bezirksverwaltung Erfurt des Ministeriums für Staatssicherheit ausweisenden Herren in Zivil in meiner Wohnung aufgesucht mit der Mitteilung, ich würde in Untersuchungshaft verbracht. Es folgte eine Durchsuchung der Wohnung und eingehende Befragung zu meinen Aktivitäten der letzten Monate, ohne dass ich dem entnehmen konnte, worum es in der Sache ging. In der Folge wurde ich gefesselt in einem beigefarbenen Fahrzeug (Wartburg) in das Gerichtsgebäude des Erfurter Gerichts verbracht in einen sich im Keller befindlichen Verhörraum.

Dort wurde mir zur Last gelegt, ich wäre an der Vorbereitung und Durchführung des nach den Strafgesetzen der Deutschen Demokratischen Republik strafbaren ungesetzlichen Grenzübertritts eines Freundes beteiligt gewesen. In Verbindung mit meinen vorangegangenen diversen als staatsfeindlich bezeichneten Aktivitäten hätte ich mit einer Anklage und Verurteilung zu mindestens eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe zu rechnen.

Im Laufe des mehrstündigen Verhörs wurden mir, außer den o.a. Konsequenzen für mich, die persönlichen Konsequenzen für meine Mutter dargelegt, welche ggf. ebenfalls mit einer Anklage zu rechnen hätte.

In der Folge wurde mir angeboten, mich noch in derselben Nacht in das Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland zu überstellen, wenn ich meine Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des nach den Strafgesetzen der Deutschen Demokratischen Republik strafbaren ungesetzlichen Grenzübertritts meines Freundes schriftlich zugeben würde. Dieses Angebot sah ich als Falle und lehnte ab, auch da ich zu diesem Zeitpunkt selbst keine sogenannte Republikflucht beabsichtigte, sondern mich bereits seit mehreren Jahren aktiv für politische Änderungen in der Deutschen Demokratischen Republik einsetzte und dies auch weiterhin wollte.

Nach Ausschlagung des o.a. Angebots wurde ich mehrere Stunden psychisch massiv durch Drohungen und physisch durch die Verweigerung von Flüssigkeit beeinflusst; offenkundig zum Zwecke der Erzeugung von massiver Angst vor einer Haftstrafe, da mir in den »schillerndsten Farben« die Folgen einer solchen Haft in der allgemein berüchtigten Sonderhaftanstalt der Staatssicherheit Bautzen II vor Augen geführt worden sind, inklusive von nicht näher bezeichneten Sonderbehandlungen sowie Vergewaltigungen durch Mithäftlinge. Dazu wechselten sich die beiden o.a. Herren ab nach dem Prinzip »good guy, bad guy«.

Nach einer mir nicht mehr überschaubaren Zeit des darauf folgenden Alleinseins zum Zwecke des »Nachdenkens« im Verhörraum stellte mir der good guy in Aussicht, man werde auf eine Anklage und einen weiteren Verbleib in der Untersuchungshaft verzichten, wenn ich mich dazu bereit erklären würde, als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit zu arbeiten, zumal dies doch meinen Wunsch nach politischen Veränderungen in der Deutschen Demokratischen Republik dahingehend entgegen käme, dass ich mich quasi auf der Seite der Guten dafür einsetzen könnte.

Aus Angst vor einer weiteren Eskalation und den mir angedrohten persönlichen Konsequenzen erklärte ich mich zu einer solchen Zusammenarbeit bereit und mir wurde eine Verpflichtungserklärung diktiert, welche ich persönlich unterschrieb. Zum Inhalt dieser Verpflichtungserklärung weiß ich nichts mehr, außer dass ich, auf die Ankündigung, ich müsse mir zum Schutze meiner Identität einen Decknamen wählen, den Vornamen meines leiblichen Vaters, Roland, auswählte.

Nach der Unterzeichnung dieser Verpflichtungserklärung musste ich noch eine weitere Erklärung unterschreiben, deren Inhalt in einer Geheimhaltungsklausel der Vorgänge unter Strafandrohung bei Verletzung der Geheimhaltung bestand.

Danach wurde ich aus der Untersuchungshaft entlassen und von den beiden Herren zurück zu meiner Wohnung begleitet.

In der Folge wurden beide Herren nach eigenem Bekunden meine Führungsoffiziere. Nach ihren Aussagen waren ihre Namen Hans und Peter.

Wir trafen uns unregelmäßig in größeren Abständen in einer konspirativen Wohnung am Moskauer-Platz in Erfurt. Dort wurde ich hauptsächlich damit beauftragt, Informationen über eine ehemalige Freundin zu beschaffen. Da die Verbindung mit dieser Freundin seit längerem nicht mehr bestand, traf ich mich mit ihr und erfuhr, dass sie an Krebs erkrankt sei. Ich sagte ihr nichts über den Zweck des Treffens, beschloss jedoch, keine relevanten Informationen über sie weiterzugeben. Dazu erfand ich Treffen mit ihr und entsprechende Gesprächsinhalte.

Im weiteren Verlauf lernte ich meine spätere Ehefrau G. R. kennen. Diese eröffnete mir, dass ihr Bruder Offizier beim Ministerium für Staatssicherheit sei. Diesen belastete ich in der Folge mit Falschinformationen über dessen angebliche heimliche mir gegenüber geäußerte Abneigung gegen die Deutsche Demokratische Republik, weil er – nach Aussagen meiner damaligen Ehefrau – Erkundigungen über mich eingezogen und ihr von einer Verbindung mit mir abgeraten hätte..

Weiterhin erfand ich alle möglichen belanglosen Informationen über diverse Leute, weshalb mir immer wieder gesagt wurde, ich müsse mich mehr bemühen, relevante Informationen zu beschaffen. Glaubhaft machte ich die nach außen bemühte Ernsthaftigkeit meiner Informationstätigkeit dann jedoch durch die Tatsache, dass ich bei einem zufälligen Besuch eines West-Bekannten meines o.a. Freundes in Erfurt in meiner Wohnung, nach dem dieser mit meiner Frau und mir Cannabis rauchte, die Aschereste an meine Führungsoffiziere übergab und diese bestätigten, dass die forensische Überprüfung tatsächlich auf Cannabis erkannte.

Im November 1985 wurde ich zur Armee einberufen und dem Pionierbaubataillon 12 (PiBB-12) in Merseburg zugeteilt. Dort wurde mein Führungsoffizier der dortige Politoffizier mit dem Rang eines Hauptmanns. Dieser eröffnete mir im Rahmen einer alle Mitglieder der Kompanie einzeln betreffenden Befragung, er wäre nunmehr mein Führungsoffizier und beauftragte mich mit der Beobachtung meiner Kameraden der Kompanie, welche zum größten Teil aus ehemaligen Strafgefangenen und politisch Verdächtigen bestand. Daraufhin eröffnete ich ihm, dass ich eine solche Beobachtung nicht durchführen würde und ich mich nicht mehr an meine Verpflichtungserklärung gebunden fühlte. Dies brachte mir in der Folge die verschiedensten disziplinarischen Strafmaßnahmen bis hin zur Haft wegen Ungehorsam ein, welche mit einem fast halbjährigen Urlaubsverbot begannen. Im Folgenden war ich mit anderen Kameraden hauptsächlich an der sogenannten Wehrkraftzersetzung im Bataillon beteiligt, welche im dritten Diensthalbjahr in der Bemerkung des stellvertretenden Bataillonskommandeurs mündete: »So etwas wie euch hätte man früher an die Wand gestellt.«.

In der Folge und auch nach meiner Entlassung aus der Armee im Frühjahr 1987 mit dem Dienstgrad eines Soldaten hatte ich wissentlich keine Kontakte mehr zu Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit und es wurden auch von dort keine für mich erkennbaren Kontakte zu mir gesucht.

Selbst in der Zeit zwischen der Stellung meiner drei in der Folge abgelehnten Ausreiseanträge im Jahre 1988 bis hin zu meiner Flucht aus der Deutschen Demokratischen Republik in die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag Anfang August 1989 waren für mich keine Versuche des MfS zur Kontaktaufnahme erkennbar.

Nachtrag

Die o.a. Anwerbung sowie die dazu führenden Umstände und die Tatsache der Fehlinformationen an das MfS sowie mein persönliches Desinteresse an der Anforderung meiner »Stasiakte« zum Zwecke der Einsichtnahme und mein trotzdem bekundetes Einverständnis der Einsichtnahme durch andere Interessierte habe ich mündlich und freiwillig während des Bundesparteitages der Grundrechtepartei am 18. Dezember 2016 allen anwesenden Mitgliedern der Grundrechtepartei vor meiner Wahl zum Bundessprecher dargelegt mit dem Hinweis, dass diese Tatsachen bekannt sein sollten, bevor sich jemand für oder gegen meine Wahl zum Bundessprecher entscheidet. Meine Wahl zum Bundessprecher erfolgte einstimmig und im Wissen um diese Tatsachen. Rechtsmittel gegen meine Wahl wurden nicht eingelegt.